Wir haben uns alle WM-Klassiker noch einmal angeschaut, Panini-Bilder gesammelt und unsere Tipps abgegeben. Jetzt ist die Zeit des Wartens vorbei. Ab heute Nachmittag bestimmen Ball und Vuvuzela fĂĽr vier Wochen unseren Alltag.
Wenn es noch eines Beispiels bedurft hätte, wen und was der Fußball in Zeiten seines Ausnahmezustandes namens Weltmeisterschaft alles vereinen kann, dann dieses: Sinngleich erklärten gestern am Tag vor dem WM-Start der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und Deutschlands oberster Gewerkschafter Michael Sommer: Fußball gucken während der Arbeitszeit sollte toleriert werden sein, wenn es sich irgendwie mit dem Job vereinbaren lässt. Dahinter steckt die Kapitulation vor dem großen Spiel: Lassen wir die Leute halt WM gucken, dann kommen sie wenigstens überhaupt zur Arbeit.
So ein Turnier schwächt ja schon im Vorfeld die Arbeitsmoral: Seit Tagen schleppen wir uns mit eckigen Augen ins Büro, weil wir nachts stundenlang die alten Turniere gucken. Zum tausendsten Mal die selben Szenen: Das Wembley-Tor, Hölzenbeins Schwalbe, Rijkaards Spuckattacke, die Elfmeter-Pannen der Engländer. Und unvergessliche Tore. Wir überlegen, wo und mit wem wir damals geschaut, getrunken und Liebe gemacht haben in jenen magischen Nächten.
Wir haben jetzt die Sonderhefte und Beilagen durchgeblättert, verzweifelt auf die Nordkoreaner geschaut, die alle Pak oder Kim heißen und über die Aussprache bei den Südafrikaner gegrübelt. Wir haben über unseren WM-Tipps gebrütet. Wir haben ein kleines Vermögen für Sammelbilder ausgegeben und die Freunde haben jetzt deutsche Flaggen am Auto. Obwohl sie in den sechziger Jahren geboren und damit aufgewachsen sind, dass man - wie die deutschen Weltmeister von 1974 - die Hymne nicht singt, weil wir den Nationalismus überwunden haben. Die Kinder wollen die Fahnen, sagen die Freunde. Ja, die auch.
Nicht fehlen darf auch eine Vuvuzela, wegen der die WM zur Herausforderung für Nerven und Ohren wird. Sollen ja quasi gemeingefährlich sein, die Dinger. Man braucht aber eine, damit man sich wehren kann, falls der Nachbar auch eine hat. Aber heute bestimmen also Ball und Tröte für vier Wochen unseren Alltag.
Wir wären dann soweit.
Allen einen guten Start in die WM und viel SpaĂź beim mitfiebern!!